Laktoseintoleranz

Wie viele sind betroffen?
Die wohl bekannteste nichtimmunologische Nahrungsmittelunverträg-lichkeit ist die Laktoseintoleranz. Sie ist sehr stark verbreitet und laut Schätzungen dürften ca. 90% der Weltbevölkerung davon betroffen sein. Unter den Österreichern dürfte diese Rate bei ca. 10 - 15% liegen. [AKNÖ: Nicht alles ist eine Allergie. (2004)]

Verdauungsvorgang bei nicht Betroffenen:
Der durch die Nahrung aufgenommene Milchzucker wird im Dünndarm durch das Verdauungsenzym Laktase in Glukose und Galaktose gespalten. Diese beiden Energielieferanten werden anschließend von der Mukosa ins Blut aufgenommen.

Verdauungsvorgang bei Betroffenen:
Betroffene können die in der Milch von Säugetieren enthaltene Laktose (= Milchzucker) nicht bzw. nicht vollständig verdauen, da das Enzym Laktase fehlt oder nicht in ausreichender Menge produziert werden kann.
Es kommt zu Blähungen und Durchfällen, jedoch kann das Ausmaß der Symptome von Mensch zu Mensch variieren. Nur wenige laktoseintolerante Patienten vertragen nicht mehr als kleinste Mengen an Milchzucker (ca. 1 - 2g). Diese müssen laktosefreie Diät halten. Der größte Teil der Betroffenen ist bereits unter Einhaltung eines laktosearmen Speiseplans (ca. 8 - 10g) beschwerdefrei. Ein gesunder Erwachsener nimmt bei normaler Mischkost ca. 20 - 30g Milchzucker pro Tag zu sich.

Auch in vielen anderen Produkten kann Laktose beispielsweise als Bindemittel enthalten sein (daher immer das Lebensmitteletikett genau durchlesen)! Hart-, Schnitt-, Weich- und Sauermilchkäse sind fast laktosefrei und werden daher meist gut vertragen. Sauermilchprodukte wie Joghurt, Topfen, Buttermilch und Sauermilch können trotz des hohen Milchzuckeranteils gut verdaut werden, da die im Nahrungsmittel enthaltenen Bakterienstämme im Darm große Mengen an Laktose abbauen können. Bei laktosearmer Kost (d.h. 8 - 10g Milchzucker pro Tag sind erlaubt) sollte Käse problemlos und Sauermilchprodukte in kleinen Tagesrationen genossen werden können.

Laktosefreie Produkte:
Im Handel sind bereits eine Vielzahl laktosefreier Produkte erhältlich wie z. B.: Milch, Topfen, Schlagobers, Butter, Käse, Joghurt (Natur od. mit Früchten) und Schoko-Pudding. In diesen Lebensmitteln ist der Milchzucker bereits in die Monosaccharide Glukose und Galaktose aufgespalten. Daher können diese Produkte auch problemlos konsumiert werden (der Restgehalt an Laktose liegt unter 0,1%).

Das fehlende Enzym Laktase zum Einnehmen:
In Apotheken sind bereits rezeptfreie Präparate erhältlich die das Enzym Laktase in gefriergetrockneter Form (meist in Kapseln) enthalten. Bei Einnahme vor oder während der Nahrungsaufnahme wird dem Körper das fehlende Enzym oral verabreicht und dadurch können auch laktosehältige Produkte verzehrt werden.

Kann ein Nährstoffmangel vorliegen?
Mögliche Mangelnährstoffe bei einer Laktoseintoleranz sind vor allem Kalzium, Vitamin D und einige B-Vitamine. Laktosefreie Lebensmittel (dazu gehören auch Sojaprodukte) stellen eine gute Alternative da, um Mangelzuständen vorzubeugen.

Diagnostik der Laktoseintoleranz:
Bei Beschwerden nach Konsum von Milchprodukten und Beratung durch einen Allergologen wird auf der Gastroenterologie im Spital (ambulant) ein H2-Atemtest mit dem betroffenen Patienten durchgeführt, um eine sichere Diagnose stellen zu können. Dazu muss der Betroffene bereits 12 Stunden zuvor nüchtern sein. Man misst zuerst den H2-Nüchternwert und verabreicht dem Patienten anschließend 50g Laktose, aufgelöst in 250 ml Leitungswasser. Anschließend wird in Abständen von 30 Minuten, über einen Zeitraum von ca. 3 - 4 Stunden, der H2-Gehalt der Ausatemluft bestimmt. Liegen die Werte 20ppm über dem Nüchternwert, so ist dieser Test als positiv anzusehen. Jedoch gibt die Höhe der Werte nur indirekt Auskunft über den Grad der Laktoseintoleranz. Je höher die Aktivität der Dickdarmbakterien beim Abbau der Laktose ist (bzw. je mehr nicht resorbierter Milchzucker im Dickdarm landet), desto höher ist der Gehalt an Wasserstoff in der Ausatemluft. Seit einiger Zeit kann bei Verdacht auf Laktoseintoleranz auch ein Gentest (auf den LCT-Genotyp) durchgeführt werden. Dazu entnimmt der behandelnde Arzt dem Patienten eine Blutprobe oder einen Wangenschleimhautabstrich.
Ein sehr hoher Prozentsatz - laut Schätzungen bis zu 70% - der laktoseintoleranten Bevölkerung ist auch von einer Fruktosemalabsorption betroffen.